Titicaca See

Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika

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Der war über die nächtlichen Gäste nicht schlecht erstaunt, hatte aber gute Nachrichten für uns. Morgen kam ein Lastwagen aus der Stadt. Der hatte gewiß etwas Benzin übrig. Der Bürgermeister wollte uns einen zuverlässigen Führer mitgeben und Maultiere zum reiten.

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Zweikampf auf Leben und Tod

Am andern Tag brachen wir auf, erfrischt und wohlversehen mit Führer, Maultieren und Benzin. Es ging auf kürzerem Wege zurück zu dem Platz, wo Onkel Tom und der Fahrer auf uns warteten. Noch eine Wegbiegung. Ja, dort stand der Wagen. Onkel Tom kletterte heraus, kam uns entgegen, einen Arm dick verbunden. Begrüßung und Fragen. "Come and see!" Wir gingen zum Wagen. Im hinteren Teil lag der Fahrer, an Händen und Füßen gefesselt. Nanu, was sollte denn das bedeuten? Nun, Onkel Tom hatte vorn im Wagen gesessen, die entsicherte Pistole in der Tasche, der Fahrer hatte sich hinten in den Wagen gelegt. Nach kurzer Zeit schnarchte er laut. Auch Onkel Tom nickte ein. Es war stockdunkel geworden. Plötzlich fährt er wieder hoch. Was klapperte da eben hinter ihm? Wie er sich umdreht, sieht er, wie sich der Fahrer an unserem Gepäck zu schaffen macht. Onkel Tom springt hoch, der Fahrer versucht zu flüchten. Tom Smith erwischt ihn am Arm. Da zieht der Bursche blitzschnell sein Messer und sticht zu. Aber Onkel Tom versetzt ihm einen Faustschlag ins Gesicht, daß er zusammensackt. Es hat alles nur Sekunden gedauert im nächtlichen Dunkel. Tom fesselt den Kerl dann und schleppt das ohnmächtige Bündel in den Wagen und bindet ihn dort fest. Dann macht er sich einen Notverband am Arm. Die Verletzung scheint nicht schlimm zu sein. Es beginnt zu dämmern. Onkel Tom steckt sich eine Pfeife an, setzt sich vorn in den Wagen und wartet auf uns.

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"Yes, that's all!"- Wir fuhren los. Fernandez saß am Steuer. In der nächsten Stadt lieferten wir den gefesselten Fahrer, der inzwischen wieder zu sich gekommen war und uns heimtückisch anblinzelte, im Polizeigefängnis ab. Hoffentlich wird er dort eine Zeit eingelocht. Der Polizeidirektor hat es versprochen: "Ganz gewiß, Senores!"

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Im Binsenboot auf dem Titicaca-See

Lieber Jupp, wir haben unsere Autoreise nach Santa Cruz aufgegeben. Onkel Toms Arm ist zwar ausgeheilt. Aber nach der "Autopanne" will er nichts mehr von Bolivien wissen. Wir sind deshalb von Cochabamba aus nordwestlich gefahren - zum Titicaca-See, der zum größeren Teil schon zu Peru gehört. Und nun muß ich schon wieder eine echt amerikanische Angabe machen: Dieser See ist der höchstgelegene der Erde. Er liegt ungefähr gleich hoch wie La Paz. Der Dampfer, mit dem wir über den See wollten, ging erst nachts. So blieb genug Zeit, die seltsamen Fahrzeuge der Indianer zu besichtigen. Wir sind sogar mit einem solchen Binsenboot ein Stück auf den See hinauszufahren.

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Der Titicaca-See liegt auf einer Höhe von 3.810 m über dem Meeresspiegel, ist 194 km lang und 65 km breit und hat eine maximale Tiefe von 281 m. Mehr als 25 Flüsse fließen in den Titicaca-See. Den einzigen Abfluss bildet der Río Desaguadero. Es gibt eine Vielzahl großer und kleiner Inseln.